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Bericht Studienreise Polen

Krakau

(07.07.2017) Als Student /-in des Polizeivollzugsdienstes / Police Service an der Fachhochschule der Polizei Brandenburg (FHPol) ist es im Rahmen des Wahlpflicht-Moduls 17 möglich, neben diversen Themen mit internationalem polizeilichem Bezug, Extremismus und Terrorismus, Cybercrime und Polizeigeschichte auch das Modul Sprachtraining Polnisch zu wählen.

 

Als erstes stellte sich die Frage, warum sollte man freiwillig Polnisch wählen? Es ist eine Sprache mit viel zu vielen Konsonanten in den Wörtern, schwer für den mitteleuropäischen Mund auszusprechen und, wenn man ehrlich ist, ließen sich doch die fünf Leistungspunkte für das Modul 17 leichter verdienen. Auf der anderen Seite stand dann doch der Ehrgeiz. In Deutschland sind die meisten Schulen darauf ausgerichtet, Englisch und Französisch als Fremdsprache anzubieten. Also warum nicht doch noch eine weitere Fremdsprache lernen. Schließlich besitzt das Land Brandenburg mit 279 km die längste Grenze Deutschlands zu Polen und die Wahrscheinlichkeit während der Dienstausübung auch auf Bürger mit polnischer Nationalität zu treffen, ist dementsprechend hoch. Im Rahmen des Praktikums im Wach- und Wechseldienst, habe ich so einige Male mit polnischen Bürgern zu tun gehabt und mir gewünscht, auch nur mit einigen Phrasen Polnisch die Situation für alle Beteiligten einfacher und schneller bewältigen zu können. Darüber hinaus ist der Sprachkurs Polnisch auch mit einer einwöchigen Sprachreise verbunden, in der das gelernte umgesetzt sowie die Kultur und Menschen des Landes kennengelernt werden sollen. Diese Gründe waren dann doch ausschlaggebend, warum die Wahl auf Polnisch fiel.

Ohne jegliche Vorkenntnisse begann die erste Unterrichtseinheit mit einem kleinen Schock, da die Dozentin Frau Müller ausschließlich polnisch mit uns sprach. Nach etlichen Wiederholungen und Gesten, konnte man erahnen was die gesprochenen Worte bedeuten könnten und wir versuchten, unter ständiger Korrektur der Aussprache, diese Sätze selbst zu wiederholen. Allmählich dämmerte es mir, worauf ich mich eingelassen hatte.

Auch mit der anfänglichen Einstellung, dass es fast unmöglich sein wird, innerhalb von etwa 3 Wochen eine andere Sprache zu erlernen, wurden wir eines besseren belehrt. So erwarteten uns mindestens 5-7 Stunden Sprachunterricht täglich, dazu weitere kleinere Sprachübungen nach dem Feierabend und natürlich viel Vokabeln lernen. Auch wenn die anspruchsvollen Aussprache- / Betonungsregeln und die Grammatik viel Nerven, Fleiß und Engagement gekostet und ebenso viel Geduld unserer Dozentin Frau Müller erfordert haben, so konnte man doch am Ende der 2 Wochen stolz auf den Umfang der bereits beherrschten Sätze zurückblicken.  Diese sollten nun im Kontakt mit Muttersprachlern angewendet und verbessert werden. Insbesondere sollte die Scheu davor abgebaut werden, in der neu erlernten Sprache zu kommunizieren. Dazu fuhren wir, unter der Leitung der Modulkoordinatorin Frau Müller, vom 11.06. - 16.06. in die südpolnische Stadt Krakau.

Die nächsten Tage waren komplett durchgeplant und strukturiert. Es standen geführte Stadttouren an, in denen man viel von der Geschichte, den Menschen und der Bedeutung einzelner Bauten der Stadt erfuhr. Dabei führten die Routen durch die gesamte Stadt. Vom Jüdischen Viertel zum ehemaligen Ghetto, zu Schindlers Fabrik, auf die Burg Wawel inklusive Kathedrale und vielen weiteren Punkten. Man erhielt einen umfassenden Eindruck von der Stadt, ihrer Geschichte und ihren Menschen.

In den folgenden Tagen wurden auch interaktive Aufgaben vergeben, um das Gelernte anwenden zu müssen. So sollte man beispielsweise Briefmarken samt Postkarten besorgen, Passanten nach dem Weg zum nächsten Markt oder nach der Uhrzeit fragen und Smalltalks mit Personen führen. Alles natürlich auf Polnisch. Jüngere Menschen oder Bedienungen in Restaurants schmunzelten kurz wenn man sie auf Polnisch ansprach oder bestellte und wechselten dann selbst schnell ins Englische. Ältere Personen jedoch, wie zum Beispiel die Verkäuferinnen auf dem Obstmarkt, schienen sich zu freuen und erwarteten gespannt, dass man seine Frage „ile kosztuje to jabłko“, wie viel kostet dieser Apfel, vorgetragen hatte. Insgesamt betrachtet wirkten die Menschen sehr aufgeschlossen und freundlich.

Ein besonderer Eindruck hat die Wandertour in Zakopane hinterlassen. Man hatte neben dem Stadtleben auch die Möglichkeit die Landschaft des Landes zu bewundern. Dies kam besonders zum Ausdruck, als wir mit einer Seilbahn hoch auf den Kasprowy Wierch fuhren. Dies ist ein 1987 Meter hoher Berg an der polnisch-slowakischen Grenze in der West-Tatra, von dem man einen herrlichen Ausblick in alle Richtungen genießen konnte.

Dank der Unterstützung des Fördervereins konnten wir am letzten Tag vor der Abreise eine der historisch bedeutendsten Wirtschaftszweige für die Region besichtigen: die Daniłowicza Salzmine. In bis zu 130m Tiefe, konnten wir ein beeindruckendes Stück Kultur- und Industriegeschichte erleben. Besonders erstaunlich war für mich der Fakt, dass zu Hochzeiten der Salzmine die 160 Beschäftigten Bergleute, rund ein Drittel des gesamten Bruttoinlandsproduktes des Landes erarbeiteten.

Die Woche verging wie im Fluge. Die aus der Reise gewonnen Eindrücke und Erfahrungen geben Motivation, die Sprache auch über das Modul 17 hinaus weiter vertiefen zu wollen und das Land in jedem Falle wieder zu besuchen. Mit Sicherheit werden die gewonnen Polnischkenntnisse auch in Zukunft im Dienst und im Umgang mit polnischen Bürgern hilfreich sein.

Man dachte, dass man Polen aufgrund der grenznahen Polenmärkte kennen würde und somit voll über Polen Bescheid weiß, aber das war nicht so. Krakau hat mir gezeigt, dass Polen noch viel mehr zu bieten hat. Und eine Sache daran ist ganz wichtig. Die Einheimischen sind stolz, aus Polen zu kommen. An ihrer freundlichen Art und der Art und Weise wie sie über ihr Heimatland reden, erkennt man, dass sie stolz darauf sind, in Polen zu leben.

Ich bin froh die Gelegenheit gehabt zu haben, nach Polen zu reisen und möchte mich auf diesem Weg auch bei allen bedanken, die dies überhaupt möglich gemacht haben. Mein Dank gilt daher der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg sowie dem Förderverein, welche uns diese Reise ermöglicht haben. Außerdem möchte ich mich bei unserer Dozentin Frau Müller für ihren Einsatz, ihre Geduld und ihre Ausdauer bedanken - nur so war es uns möglich, innerhalb so kurzer Zeit so viel zu lernen. Ich hoffe auch für die nachfolgenden Studiengänge, dass sie die Möglichkeit bekommen eine solche Reise durchzuführen, um die Besonderheiten Polens kennenzulernen.

 

Teilnehmer des Polnischkurses JG2014

 

 

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